Chronik  

Chronik des Mandolinen-Club-Kelkheim

von Monika Weber

"Mandolinenmusik" - das klingt nach Zupfgeigenhansel und Wanderliedern, etwas verstaubt und altbacken. Dem Mandolinenclub haftet nichts von diesem Image an.

Das Repertoire des Orchesters besteht nicht nur aus Volksliedern, traditionellen Märschen oder Operettenmelodien.
Italienische und spanische Folklore, auch internationale Stücke z.B. aus Mittel- und Südamerika, Evergreens, Oldies, Pop und Rock sowie Ohrwürmer aus Musicals machen unser Repertoire zu einer bunten Mischung verschiedenster Musikrichtungen, die den Geschmack des Publikums treffen.

Als der Mandolinen-Club 1961 aus der Taufe gehoben wurde, dachte freilich noch niemand an ein so breit gestreutes musikalisches Programm.
Der junge Verein belegte allerdings schon ein Jahr nach der Gründung bei einem Wertungsspiel in Limburg von acht Teilnehmern den dritten Platz.

Auch in den Folgejahren schnitt das Orchester unter der Regie des Vollblutmusikers Anton Scherer bei Wettbewerben immer wieder mit "Sehr gut" ab.

Im Jahr 1970 übernahm Hans Rose die Leitung. Mit ihm war das Orchester bei Wettstreiten weiterhin sehr erfolgreich. Der neue Dirigent führte auch die Tradition der Gemeinschaftskonzerte mit verschiedenen Gesangvereinen fort.

Auch gab es Konzerte in Kelkheims französischer Partnerstadt Saint-Fons.
Der Mandolinen-Club pflegt seit Jahren Kontakt zum Mandolinen-Orchester in Corbas (nahe Saint-Fons).

Während Hans Rose das Mandolinen-Orchester dirigierte, gründete Richard Franz, der heutige musikalische Leiter, für die zahlreichen Gitarrenschüler Anfang der 70er Jahre den Gitarrenchor.
Hier fanden z.B. Stücke der Beatles - in Bearbeitungen von Richard Franz - großen Anklang.
Der MCK erlitt mit dem Tod von Hans Rose 1977 einen herben Verlust.
Richard Franz, inzwischen durch eine Ausbildung an der Musik-Akademie in Trossingen "Geprüfter Dirigent für Zupforchester", trat die Nachfolge an - keine leichte Aufgabe für den blutjungen Dirigenten.
Doch er meisterte seine Aufgabe mit Bravour. Er leitete nicht nur die alljährlichen Konzerte im Plenarsaal, sondern auch Gastauftritte bei Jubiläen, Firmen- oder Vereinsfeiern, Auftritte im Altenwohnheim "Haus Mainblick" am Kelkheimer Kloster, sowie die Vorspielnachmittage der Musikschüler - immer noch feste Einrichtungen im jährlichen Veranstaltungskalender.
Hinzu kamen (und kommen) Workshops und Lehrgänge, Rad- oder Kanutouren, Wanderungen, Grillfeste und Weihnachtsfeiern.

Stefan Schmitt übernahm die musikalische Leitung im Jahr 1985, da Richard Franz gerne wieder aktiv im Orchester mitwirken wollte. Mit viel Ehrgeiz und harter Arbeit schnitt der Mandolinen-Club einmal mehr bei einem Wettstreit mit einem sehr guten zweiten Platz ab - mit elf Spielern das kleinste der teilnehmenden Orchester.
Dennoch neigte sich die Zeit der Wettbewerbsteilnahmen dem Ende entgegen.
Die Aktiven wollten den musikalischen Schwerpunkt mehr auf Unterhaltung des Publikums und eigenen Spaß am Musizieren legen, da Wettstreitvorbereitungen sehr aufreibend sind.

Im Jahre 1987 übernahm Matthias Präve den Dirigentenstab, bis er ein Jahr später zur Bundeswehr eingezogen wurde und Richard Franz an das Pult des musikalischen Leiters zurückkehrte.
In dieser Zeit fanden auch einige sehr erfolgreiche Gemeinschaftskonzerte des Orchesters mit dem Männer-, dem Frauen- und dem Kinderchor der "Euterpe" Hornau statt.

Im Gitarrenchor hatte sich im Lauf der Zeit einiges getan. Inzwischen musizieren dort nun auch Mandolinen-, Mandola- und Baßspieler, auch Flöte, Banjo, Percussion-Instrumente und Gesang hatten dort ihren Platz gefunden.
1988 gab sich die Truppe den Namen "Folkgruppe Rotlint". Ihr Repertoire - meist eigene Bearbeitungen - reicht von irischer, englischer und lateinamerikanischer Folklore bis hin zu populären Interpreten wie Santana, Wild Silk und Angelo Branduardi. Mittlerweile wird die Gruppe Rotlint häufig für Veranstaltungen engagiert.

Alljährlicher Höhepunkt des Vereinslebens ist das große Herbstkonzert von Orchester und Rotlint. Das Orchester verlegte sich in den letzten Jahren mehr und mehr auf eigene Bearbeitungen von Musikstücken. Die käuflich zu erwerbenden Noten trafen nicht mehr unbedingt den Geschmack der Spieler. Das Repertoire des Orchesters veränderte und modernisierte sich nachhaltig. Die neuen Stücke waren peppig, frech, unkonventionell - gut zu spielen und sehr schön zu hören.

"Klasse Musik!" - das meinte auch ein Redakteur des Hessischen Rundfunks, der bei einem Konzert unerkannt im Publikum saß und das Orchester zu einer Produktion in den HR einlud.
Die Aufnahmen fanden im September 1998 statt, ausnahmslos "eigene", selbst bearbeitete Stücke. Vier von ihnen wurden dann im Rahmen einer Sendung am 1. Mai 1999 in HR4 ausgestrahlt.
Zwei Jahre später erfolgte eine weitere Aufnahme für eine Sendung des HR4 - Sternstunden für den MCK.

Heute hat der Mandolinen-Club 1961 Kelkheim rund 80 Mitglieder, von denen etwa zwei Drittel Aktive bzw. Schüler sind. Auch wenn der Verein stets zu den kleineren seines Genres zählte, zeigt sich doch, daß die Zupfmusik in Kelkheim ihre Freunde hat und ständig neue dazugewinnt. Der MCK verspricht seinem Publikum weiterhin viel gute Laune, Musik von Hand gemacht, leichte ebenso wie anspruchsvolle, ohne den Anspruch auf absolute Perfektion, lebendig und unverwechselbar - eben die Musik des MANDOLINEN-CLUBS 1961 KELKHEIM